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Wie komme ich in den Himmel?

Oekumenischer Gottesdienst aus Anlass der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre

Rottendorf. „Noch nie hat ein Gesang in unserer Kirche so froh geklungen wie heute“, sagte eine Teilnehmerin nachdem das „Te Deum“ zum Abschluss des oekumenischen Gottesdienstes am Reformationstag 1999 in der vollbesetzten Friedenskirche in Rottendorf verklungen war. Begonnen hatte der Gottesdienst um 18.30 Uhr in der katholischen Pfarrkirche St. Vitus, vor deren Hauptportal die Gottesdienstbesucher durch den Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde empfangen wurden. Den großen Zuspruch, den dieser Gottesdienst unter den Christen beider Konfessionen gefunden hatte, führte Pfarrer Arnold Seipel in seiner Begrüssung auf die langjährige oekumenische Zusammenarbeit in Rottendorf und auf die Tatsache zurück, dass der diesjährige Reformationstag für die Oekumene herausragende Bedeutung hat.

Mit bewegenden Worten erinnerte sich Dr. Johannes Halkenhäuser zu Beginn seiner Predigt daran, dass er im Laufe seiner langen Dienstzeit bereits an 47 Reformatiostagen gepredigt habe, was nicht immer ganz leicht war. „Das ist heute anders: Heute möchte ich ein TE DEUM anstimmen“ und bekannte, dass Luthers Frage „Wie finde ich einen gnädigen Gott“ auch seine eigene Frage sei. Doch im Unterschied zu vor 500 Jahren seien heute nicht „theologische Glasperlenspiele“ gefragt als vielmehr „Hilfe und Ermutigung für das Leben der Menschen“ und legte dem Apostel Paulus eine aktuelle Rede in den Mund: „Liebe Christenmenschen von Rottendorf. Auch hier im Himmel hat es sich herumgesprochen, dass bei euch der moderne Mensch nach seinen Leistungen beurteilt wird und ihm für herausragende Leistungen sogar Verdienstorden verliehen werden. Doch was ist mit den Alten, den Gebrechlichen und den Behinderten? ... Es hat sich aber auch herumgesprochen, dass die Zahl der Nachdenklichen zunimmt bei euch“. Dr. Halkenhäuser erinnerte daran, dass Glücksmomente im Leben und geglückte Beziehungen nicht erkauft werden können sondern ein Geschenk sind und fasste die Bedeutung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre in drei Punkten zusammen: 1. Wir dürfen aufatmen unter der Gnade Gottes. 2. Diese Gnade Gottes will Anderen weitergesagt werden und 3. Wir sagen es als Kirchen zukünftig gemeinsam, nicht mehr gegeneinander und nicht mehr zur eigenen Profilierung!

Mit einem besinnlichen Orgelspiel lud Harald Drescher dazu ein, bei den Predigtgedanken zu verweilen bevor Pfarrer Seipel der Gottesdienstgemeinde „Gedanken auf den Weg“ mitgab. Angeführt von Pfarrer Hansgeorg Wurmthaler, Pfarrer Arnold Seipel und Dr. Johannes Halkenhäuser setzte sich der Zug unter Glockengeläut beider Kirchen zur evangelischen Friedenskirche in Bewegung. In der Friedenskirche verlasen Pfarrer Wurmthaler und Pfarrer Seipel eine Kurzfassung der Gemeinsamen Erklärung, die am Vormittag in Augsburg von Vertreter der Katholischen Kirche und des Lutherischen Weltbundes feierlich unterzeichnet worden war, worauf die Mitfeiernden mit dem gemeinsam gesprochenen Glaubensbekenntnis antworteten. Pfarrer Wurmthaler nahm die Weggedanken von seinem katholischen Amtsbruder nochmals auf und führte sie bildhaft weiter: „Wer unterwegs ist, trägt einen Rucksack mit sich. Jeder hat etwas anderes eingepackt, anderen Proviant bei sich. Nicht immer ist man sich unterwegs einig, welche Auskunft die Wanderkarte, sprich: die Bibel, gibt. Da hilft dann meist nur ein Kompass, das gemeinsame Vaterunser - Gebet.“ Im Wechsel begleiteten der Posaunenchor und Harald Drescher an der Orgel das von Dr. Halkenhäuser in seiner Predigt bereits erwähnte „Te Deum“ einer sich der Bedeutung dieses Gottesdienstes bewussten Gemeinde.

Bernhard Isack